Alois Bergmann-Franken

Alois Bergmann-Franken - Sonderschau von 6.11.2009 bis 7.2.2010
Alois Bergmann-Franken - Sonderschau von 6.11.2009 bis 7.2.2010
Alois Bergmann-Franken - Sonderschau von 6.11.2009 bis 7.2.2010
Alois Bergmann-Franken - Sonderschau von 6.11.2009 bis 7.2.2010
Alois Bergmann-Franken - Sonderschau von 6.11.2009 bis 7.2.2010
Alois Bergmann-Franken - Sonderschau von 6.11.2009 bis 7.2.2010
Alois Bergmann-Franken - Sonderschau von 6.11.2009 bis 7.2.2010
Alois Bergmann-Franken - Sonderschau von 6.11.2009 bis 7.2.2010
Alois Bergmann-Franken - Sonderschau von 6.11.2009 bis 7.2.2010
Alois Bergmann-Franken - Sonderschau von 6.11.2009 bis 7.2.2010

Sonderschau von 6.11.2009 bis 7.2.2010

Hinweis:
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Im Herbst 2009 präsentierte der Kunstverein eine große Sonderschau, gewidmet dem Glattbacher Künstler Alois Bergmann-Franken (1897 - 1965), der hier im Ort geboren wurde und Zeit seines Lebens in unserer Heimat gewirkt hat.
Über 80 Werke waren in der Ausstellung zu sehen. Viele wunderbare Arbeiten wurden uns, nachdem wir öffentlich um Leihgaben gebeten hatten, aus Wohnzimmern, Repräsentationsräumen und guten Stuben ausgeliehen und begrenzte Zeit zur öffentlichen Ausstellung anvertraut.

Von Natur aus mit zeichnerischem Talent gesegnet und durch professionelle Ausbildung und Studium zum Berufskünstler gereift, gelang es Alois Bergmann-Franken auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Lebensunterhalt seiner Familie mit den vier Kindern durch Ausübung seiner Kunst zu bestreiten. Umfangreich war sein Schaffen für kirchliche Auftraggeber, er malte großangelegt Kirchen aus und schuf über 40 Kreuzwege, darüber hinaus gestaltete er Fassadenbilder an zahlreichen öffentlichen und privaten Gebäuden - den Glattbachern sind sein „Erzengel Michael“ an der Front der Marienkirche, oder der Heiland, welcher das Alte Schwesternhaus (das lange Zeit als Kindergarten genutzt wurde) ziert, bestens vertraut.

Alois Bergmann-Frankens künstlerischer Blick galt den Menschen und der Landschaft seiner Heimat - offen, unprätentiös und sachlich, ohne romantisierende Verklärung. Seine Landschaftsbilder sind Zeitzeugnisse geworden, denn er malte, was er vor Augen sah, draußen in der Natur vor Ort.
Sein Schaffen ist gekennzeichnet von einem hohen Maß an Konstanz und handwerklicher Souveränität in den verschiedensten Techniken, seine Handschrift sicher und selbstbewusst, ohne sich den Zeitströmungen anzubiedern.
Die Ausstellung zeigt das volle Spektrum, von spontan gesetzter freier Zeichnung, verknüpft mit Aquarell, über mehrfarbigen Holzschnitt, Illustrationen, Entwurfsarbeiten, und natürlich eine schöne Auswahl seiner Ölgemälde, die zumeist ohne „gleichmachenden“ Firnis die unmittelbare Pinselspur und Klarheit der Farbe erlebbar machen.

Bergmann-Frankens Bildkompositionen sind wohlgesetzt, und damit weit mehr als nur Kopie der Wirklichkeit. Gleichwohl erweist sich manches sorgfältig eingewobene Detail heute als Zeitdokument. So zeigt die 1944 gemalte „Aschaffenburger Ansicht vom Himbeergrund aus“ die Stadt und das Schloss unversehrt: beileibe keine „ausgedachte“ Idylle, sondern Zeitrealität, denn die Bombennächte, deren Folgen unsere Erinnerung und Wahrnehmung der Kriegszeit durch mediale Filterung geprägt haben, fanden erst später statt. Und auch der anschließende Wiederaufbau findet sein Echo in den Gemälden - erst das Schloss als stille Ruine in der Ferne, und dann bereits teilrenoviert mit zwei Türmen. Zeitzeugen, die damals selbst auf dem eingerüsteten Bau gearbeitet haben, erkennen hier auch Unterschiede zwischen der tatsächlichen Situation und Bergmann-Frankens künstlerischer Interpretation - der Künstler ist, bei aller Sorgfalt, kein Kopist.

Die Kunst Bergmann-Frankens kann im besten Sinne eine konservative genannt werden, durchaus in seinem Oevre, doch vor allem auch in ihrer sicheren handwerklichen Qualität: Das Schaffen von Kunstwerken ist nicht nur geistiger, sondern auch aus dem Begreifen heraus entstehender handwerklicher Akt. „Kunst“ kommt nicht nur von „Künden“, wie es Dr.Lenssen an anderer Stelle trefflich formulierte, sondern auch von Können.
So kann man unter des Künstlers konzentrierter Beobachtung das Portrait seiner jungen Lebensgefährtin (und bald anschließender Ehefrau) in der Zeichnung „Friedel“ aus feinen Strichen und zarter Colorierung hervorwachsen sehen, begegnet Zeitgenossen die im Wirtshaus eingeschlafen sind, kann in der Physiognomie eines alten Mannes die Spuren von 93-3/4 Lebensjahren nachlesen. Die Glattbacher beobachten Veränderungen an ihrer Kirche (im Aquarell von 1943 noch ohne den „Erzengel Michael“) und erinnern sich ihrer Kindheit, als sie im Winter einst Hügel hinab rodelten, die heute mit Häusern dicht bebaut sind. Besucher aus dem Umland entdecken Landschaften aus dem oberen Kahlgrund, lokalisieren in den Gemälden sogar historische Stätten, an denen archäologische Grabungen die Spuren noch viel weiter zurück liegender Vergangenheit zutage brachten.

Die Ausstellung präsentiert eine Zeitreise durch das Leben des Malers. Eines der ältesten überlieferten Bilder, eine Zeichnung der Glattbacher Kirche von 1914, eröffnet den Reigen, selbstgezeichnete Feldpostkarten erinnern an die Erfahrungen des jungen Soldaten im Ersten Weltkrieg, es folgen Arbeiten, die in die Lehr- und Wanderjahre an der Münchner Akadamie einzureihen sind (z.B. die Dolomitenlandschaft am Monte Pelmo, die er bei seiner Fußwanderung nach Italien erlebte), die vorstehend genannten Landschafts- und Ortsdarstellungen aus dem Landkreis, die Portraits, Drucke, Notizen an seine persönlichen Freunde, seine Gestaltung von Motiven im öffentlichen Raum, die Madonnengemälde und weitere Belege seiner sakralen Kunst.

Der Kreis schließt sich mit einem aus Stein gefertigten Original-Entwurf für die Mosaiken des Glattbacher Waldkreuzweges. Als Bergmann-Franken dieses Projekt nach jahrelanger Vorbereitung endlich in Angriff nehmen konnte, soll er im vertraulichen Gespräch gesagt haben, dass er diesen Kreuzweg vielleicht nicht zu Ende bringen würde. Er sollte Recht behalten, starb an einem Vormittag mitten in der Arbeit an einem anderen Mosaik in der Glattbacher Hauptschule, wenige Tage vor seinem 68. Geburtstag. Seine Kinder haben den Kreuzweg dann nach den Entwürfen des Vaters vollendet.

Alois Bergmann-Frankens Schaffen ist abgeschlossen - vergessen ist es nicht, und die große Zahl an Besuchern, die zum Teil von weit her kamen, bestätigt die Kraft und Attraktivität seines Werkes, das heute nur noch selten den Weg in öffentliche Ausstellungen findet. So erfüllte der Kunstverein mit dieser Sonderschau auch den Wunsch vieler Kunstinteressierter, die gerne wieder mal „ihren“ Bergmann-Franken sehen wollten.
Und das Erbe lebt weiter - verkörpert durch den Enkel Bernd Bergmann und die Großnichte Uschi Ellison, die beide ihren ganz individuellen, persönlichen Weg im Ausdruck ihres Kunstschaffens gefunden haben. Sie weisen in dieser Ausstellung, deren Schwerpunkt die historische Rückschau ist, einen Ausblick in die Gegenwart und Zukunft.

K.B.




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